Das Projekt
In drei kreativen Workshops gestalten Jugendliche gemeinsam mit dem Künstler Carlos Lorente öffentlich sichtbare Wände an markanten Orten unserer Gemeinde: dem Bahnhof (Sommerhalle), der Gemeindebücherei und dem Jugendzentrum „Altes Feuerwehrhaus“. Gemeinsam sammeln wir Ideen, verbinden Geschichte, Gegenwart und Zukunft – und bringen sie mit Farbe, Fantasie und viel Engagement auf die Wand.
Besonderes Highlight: Bei jedem Workshop werden zusätzlich Türen gestaltet. wobei hier die Idee ist, Vergangenheit und Zukunft oder Gegensätze auf jeweils eine Türseite zu sprühen. Diese Türen werden im Ort verteilt aufgestellt, sodass im Laufe des Projekts eine kleine Open-Air-Galerie im öffentlichen Raum entsteht – als künstlerischer Stadtstempel und Spiegel jugendlicher Perspektiven auf ihre Gemeinde.
Offizielle Projektbeschreibung (Ausführlich)
Die Kommunale Kinder- und Jugendarbeit möchte zusammen mit der Bücherei Neuendettelsau ein Projekt realisieren, welches sich mit der Sichtbarkeit Jugendlicher befasst. Jugendliche sind im öffentlichen Raum mit Kunst oder auch Aufenthaltsplätzen wenig sichtbar. Wir möchten diesem Phänomen gern entgegenwirken und gleichzeitig Jugendliche für die Geschichte begeistern. Gerade im ländlichen Raum brauchen Jugendliche Möglichkeiten zur Kreativität und zur Gestaltung ihrer eigenen Gemeinde und Lebenswelt. Hierzu sollen Jugendliche mit Street Art und Graffiti an verschiedenen Standorten in Zusammenarbeit mit dem Künstler Carlos Lorente die Gemeinde Neuendettelsau gestalten und als eine Art große Leinwand ansehen. Die Firma Style Scouts (Carlos Lorente) ist auf Graffiti – Projekte mit Kindern und Jugendlichen spezialisiert.
Da das Finanzielle keine Einschränkung für die Teilhabe sein soll, würden wir gern von einer Teilnahmegebühr Abstand nehmen, damit alle die an diesem Projekt teilnehmen möchten, auch die Möglichkeit dazu haben (gerade auch im Hinblick auf unsere Flüchtlingskinder).
Inhaltlich soll das Projekt Geschichte und aktuelles Leben verknüpfen. Geplant sind verschiedene Orte mit Graffiti zu gestalten. Dies soll nicht willkürlich geschehen, sondern in Auseinandersetzung mit der Geschichte an den Orten welche die Jugendlichen aus einem Pool von Möglichkeiten wählen können. Dieser Pool an Möglichkeiten ist damit begründet, da nicht überall Kunstwerke installiert werden können. So setzen sich die Jugendlichen unmittelbar mit der Geschichte auseinander und können im Anschluss gedanklich und später in der künstlerischen Umsetzung experimentieren, in welcher Art und Weise sie die Historie in der modernen Kunst umsetzen wollen. Dies kann als Gegensatz passieren, als Abbild, als Symbiose zwischen dem eigenen Ich und der Geschichte, oder sie verbinden etwas ganz anderes damit… . Möglichkeiten zu Gestaltung sind hier vielfältig. Da sich die Jugendlichen in Gruppen zusammenfinden, ist hier neben der Kreativität auch der soziale Umgang miteinander und gegenseitige Toleranz gefragt. In Neuendettelsau wird Inklusion und Integration aufgrund der Geschichte großgeschrieben. Daher ist auch das Spektrum der Wahrnehmung, der Sichtweisen und Lebensumstände weit. Die Jugendlichen tauschen sich über ihre Ideen aus und einigen sich am Ende auf eine Idee. Neben der Kompromissbereitschaft werden somit auch die Kommunikation und die Kraft der Argumente gestärkt.
Der zeitliche Rahmen für das Projekt soll wie folgt aussehen: Wir möchten drei Workshopeinheiten anbieten. Die erste Workshopeinheit würden wir gern im September/Oktober 2024 starten, die zweite im April/Mai 2025 und die letzte im September/Oktober 2025.
Pro Workshopeinheit können sich 10 Jugendliche von 12-18 Jahren anmelden. D.h. insgesamt könnten sich 30 Jugendliche aus dem ländlichen Raum beteiligen, da jede Workshopeinheit in sich abgeschlossen ist. Wir sprechen mit „Stadtstempel“ Jugendliche aus Neuendettelsau und den umliegenden Kommunen an, die durch den Schulbesuch und den Freundeskreis mit Neuendettelsau verbunden sind.
4 Tage sind pro Workshopeinheit geplant. Diese Tage setzen sich aus einem geschichtlichen Rundgang und anschließenden kreativen Prozess zusammen, der am Ende in der gemeinsamen und aktiven Umsetzung mündet. Der geschichtliche Hintergrund soll gemeinsam in Spaziergang erarbeitet werden, durch einen Museumsbesuch und auch durch die gemeinsame Recherche in der Bücherei. Hierfür werden Experten des Geschichts- und Heimatvereins sowie Kirchenvertreter und Gemeindemitarbeiter eingeladen. Die Jugendlichen können sich nach dem gemeinsamen Spaziergang entscheiden, welchen Ort bzw. geschichtlichen Teil sie am Spannesten finden, und wohin sie gern den Fokus legen würden. Dementsprechend können Sie weitere Recherchen betreiben und Experten befragen. Der Workshop ist der Grundstein für die kreative Weiterentwicklung. Die Workshopteilnehmer erarbeiten im Team, welche Verknüpfungspunkte sie zwischen der neuen Kunst und den historischen Standorten sehen. Sie entwickeln einen eigenen Ansatz. Neuendettelsau hatte viele geschichtliche Orte und prägende Persönlichkeiten (Wilhelm Löhe & Friedrich Bauer), wunderbare Natur und Plätze die Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Die Jugendlichen sollen hier entscheiden auf welche Plätze, Personen und Themen der Fokus gelegt werden soll. Historisch kann es über die Kirchen, Mission eine Welt bis hin zum Schloss gehen. Von der Natur ausgehend ist die Natur rund um Neuendettelsau interessant mit den Fränkischen Wasserradweg, der Jakobsruh und dem Muna-Radweg.
Nach den kreativen Prozessen geht es in die aktive Umsetzung ihrer Entwürfe und Gestaltung der eigenen Schablonen und das Sprayen dieser an den jeweiligen Standorten. Herr Lorente steht dabei mit Rat und Tat an der Seite der Kursteilnehmer.
Am Ende der einzelnen Projekteinheiten ist die Präsentation der aktuellen Arbeiten im kleinen Kreis (Familie, Freunde, Bürgermeister) geplant. Hier stellen die Jugendlichen kurz Ihre Arbeit, Gedanken und Ideen vor.
Das Gesamtprojekt soll mit einer großen Abschlussveranstaltung enden, in der die Arbeiten der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Es soll zu einem Graffiti-Rundgang eingeladen werden, der eine Symbiose von moderner Kunst und historischer Geschichte ist. Die Einladungen sollen an Eltern, Freunde, Gemeindevertreter und die Bevölkerung gehen. Hierfür ist ein weiterer Tag eingeplant. Darüber hinaus soll der Rundgang auch danach durch einen gemeinsamen Flyer, der ebenfalls in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen gestaltet wird, in der öffentlichen Wahrnehmung erhalten werden. Durch die Gestaltung einer Werbebroschüre werden die Fähigkeiten der Ausdrucksfähigkeit und der Konzentration auf eine Sache gestärkt. Zudem soll es eine Fotodokumentation über den Entstehungsprozess geben.
Mit dem Projekt möchte die kommunale Kinder- und Jugendarbeit und die Bücherei einen Beitrag zur kulturellen Bildung und Teilhabe sowie zur Eigenaktivierung leisten.
Aber nicht nur für die Jugendlichen ist dieses Projekt eine Bereicherung, sondern auch für die Gemeinde, da dadurch eine Open-Air-Galerie entsteht die Alt und Jung durch Kunst und Geschichte verbindet. Durch den Graffiti-Rundgang gibt es eine offene Galerie, die punktuell durch Nachfolgeprojekte erweitert werden soll. Somit wird durch die Kunst der Fokus auf die Sichtbarkeit der Jugendlichen gelegt!
Neben dem konkreten Ziel Kunst im öffentlichen Raum selbst zu schaffen, sollen Kinder und Jugendliche animiert werden sich an der Gestaltung ihres unmittelbaren Lebensumfelds zu beteiligen und selbst zu verwirklichen. Die Kursteilnehmer sollen durch das Projekt an Selbstsicherheit gewinnen, was sie auch aufgeschlossener, offener, kreativer und engagierter werden lässt. Sie sehen anhand des Projektes, dass sie bei der Gestaltung ihrer Kommune aktiv mitwirken können, und bringen sich dadurch möglicherweise auch an anderer Stelle ein.
Es gibt in Bayern und mitunter auch in Mittelfranken zwar Graffiti-Projekte aber unseres Wissens weder mit historischem Hintergrund noch als Rundgang als Open-Air-Galerie inmitten eines Ortes einer Stadt.
"Sommerhalle" Bahnhof Neuendettelsau (Workshop 1)
Erster Projektteil „Bahnhof – Sommerhalle“ im Rahmen des Graffiti-Projekts „Stadtstempel“
Vom 30. Mai bis 1. Juni 2025 fand der Auftakt unseres Gesamtprojekts „Stadtstempel“ statt. Die erste Station war die Sommerhalle am Bahnhof Neuendettelsau.
Gestartet wurde am Freitag, den 30. Mai, mit einem historischen Rundgang durch Neuendettelsau, begleitet von Ortshistoriker Dr. Hans Rössler. In rund einer Stunde erzählte er den teilnehmenden Jugendlichen sowie unserem Künstler Carlos Lorente spannende Anekdoten und historische Hintergründe zu bedeutenden Orten und Persönlichkeiten der Gemeinde. Zur Vertiefung wurde das Gehörte anschließend in einer kurzen PowerPoint-Präsentation visuell aufgearbeitet.
Im Anschluss wurden unter der Leitung von Carlos gemeinsam kreative Ideen gesammelt und zu einer Gesamtskizze zusammengefügt.
Am Samstag, den 31. Mai, begann der Tag in der Bücherei mit einem theoretischen Input zum Thema Graffiti – Carlos gab einen interessanten Einblick in Geschichte, Techniken und Bedeutung dieser Kunstform. Danach ging es an den Bahnhof: Nach einer kurzen Sprühübung startete der praktische Teil. Unter Anleitung von Carlos und seinem ehrenamtlichen Helfer Simon wurde die Wand der Sommerhalle sowie zwei Türen kreativ gestaltet – mit Motiven, die Neuendettelsauer Geschichte, Gegenwart und Persönlichkeiten thematisch aufgreifen.
Am Sonntag, den 1. Juni, wurde das fertige Kunstwerk im kleinen Rahmen eröffnet. Eingeladene Gäste konnten sich direkt mit den jungen Künstler*innen austauschen und sich deren Ideen und Hintergründe zu den einzelnen Motiven erklären lassen. Es wurde auch nochmal von einzelnen jungen Künstlern live gesprüht.
Ein gelungener Auftakt unseres Projekts – mit viel Kreativität, Austausch und einem sichtbaren Zeichen von Jugendkultur in Neuendettelsau!
Gemeindebücherei (Workshop 2)
Zweiter Projektteil „Gemeindebücherei“ im Rahmen des Graffiti-Projekts „Stadtstempel“
Vom 31. Juli bis 3. August 2025 fand unser „Stadtstempel“-Workshop an der Bücherei Neuendettelsau statt. Gemeinsam mit Graffiti-Künstler Carlos Lorente gestalteten die Jugendlichen die Außenflächen der Bücherei neu – mit viel Farbe, Kreativität und spannenden Ideen.
Der Workshop war bereits der zweite Teil unseres Stadtstempel-Projekts, bei dem verschiedene Orte in Neuendettelsau durch Graffiti-Kunst eine neue, bunte Bedeutung bekommen.
Im zweiten Teil ging es um Bildung und um mehrschichtige Deutungen. So wurden auf den in jetzt Rot gestalteten Außenmauern leuchtende Sterne gesprüht in denen verschiedene Buchserien und Spiele mit ihren typischen Motiven dargestellt sind. Die Jugendlichen hatten bestimmte Bücher und Serien im Kopf, aber es lässt sich in eine Rose auch etwas anderes hineininterpretieren als „Der kleine Prinz“. Der Betrachter denkt vielleicht an „Der Name der Rose“. Auch die Sterne sind sowohl eine Hommage an Medien a la „Walk of Fame“ aber es hat auch die Bedeutung „Nach den Sternen greifen“ im Sinne von „alles ist möglich“. Nun befinden sich an den Wänden der Außentreppe zur Bücherei beliebte Kinder- und Jugendgeschichten wie Die Drei Frage- und Ausrufzeichen, Alice im Wunderland oder Harry Potter, als auch Klassiker für Erwachsene wie Moby Dick oder In 80 Tagen um die Welt. So wird schon von außen sichtbar, wie vielfältig die Welt der Bücher ist, die in der Bücherei entdeckt werden kann.
Ein besonderes Highlight findet sich an der Eingangswand. Hier wurde das Wort „Bildung“ großflächig in Szene gesetzt und mit historischen Orten und Objekten aus Neuendettelsau verbunden. So sind unter anderem der Buchhandlungswagen der Diakonissenanstalt (1921–1923), das sogenannte „Abort-Schlösschen“, das einst als Schule und Bücherei am Sternplatz diente, ein alter Kinderwagen voller Bücher, der die Bildungsarbeit der Diakonissen symbolisiert, sowie ein Schäferhund für die Zollhundeausbildung zu sehen. Diese Motive verdeutlichen die lange Tradition der Bildungsarbeit und Entwicklung in Neuendettelsau.
Die Jugendlichen haben mit diesem Workshop ein Kunstwerk geschaffen, das nicht nur farblich ein echter Hingucker ist, sondern auch einen spannenden Bezug zur Geschichte und Bedeutung von Bildung in unserer Gemeinde herstellt.
Jugendzentrum "Altes Feuerwehrhaus" (Workshop 3)
Vorschau: Drittes Graffiti-Teilprojekt – Jugendzentrum „Altes Feuerwehrhaus“
Unser Graffiti-Projekt „Stadtstempel“ geht in die dritte und letzte Runde – und dieses Mal wird es direkt vor Ort am Jugendzentrum „Altes Feuerwehrhaus“ bunt!
Gemeinsam mit Graffiti-Künstler Carlos Lorente gestalten Jugendliche diesmal nicht nur die Räume des JuZ, sondern auch unsere Open-Air-Galerie.
Für den Offenen Treff entstehen individuell gestaltete Holztafeln.
Draußen verwandeln sich massive Beton-Blumenpflanzkübel in kreative Leinwände.
Das zentrale Thema lautet:
„Kindheit und Jugend in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – mit einem Hauch von Utopie.“
Die Jugendlichen setzen sich also nicht nur künstlerisch, sondern auch inhaltlich mit ihrer Lebenswelt auseinander: Wie war Jugend früher? Wie erleben wir sie heute? Und wie könnte sie in Zukunft aussehen – vielleicht auch ein bisschen utopisch gedacht?
Mit diesem Teilprojekt findet das „Stadtstempel“-Projekt seinen Abschluss – und hinterlässt bleibende, bunte Spuren mitten in Neuendettelsau.
Bei Interesse kann man sich schon jetzt unter
jugendarbeit(@)neuendettelsau.eu
oder
buecherei(@)neuendettelsau.eu anmelden.
Mach mit und bring deine Ideen an die Wand – ganz offiziell!














